Arbeitsrecht

Kündigung – Wann habe ich Anspruch auf eine Abfindung?

06. Januar 202612 Min. Lesezeit
Kündigung und Abfindung - Beratung

Das Wichtigste in Kürze

  • Kein automatischer Anspruch auf Abfindung bei Kündigung
  • Aber: Realistische Chancen wenn die Kündigung rechtlich angreifbar ist
  • Wichtigste Frist: 3 Wochen nach Zugang der Kündigung
  • Faustformel: 0,5 Bruttomonatsgehälter × Beschäftigungsjahre

Viele Arbeitnehmer stellen sich nach einer Kündigung dieselbe Frage: Habe ich Anspruch auf eine Abfindung? Die kurze Antwort lautet: Nicht automatisch – aber in sehr vielen Fällen bestehen realistische Chancen auf eine Abfindung, vor allem, wenn die Kündigung rechtlich angreifbar ist.

Abfindungsrechner: Berechnen Sie Ihre mögliche Abfindung

Mit unserem kostenlosen Abfindungsrechner können Sie schnell und einfach eine erste Einschätzung Ihrer möglichen Abfindungshöhe erhalten.

Abfindungsrechner

Geschätzte Abfindung:

7.500

Berechnung: 3.000 € × 5 Jahre × 0.5

* Dies ist eine unverbindliche Schätzung. Die tatsächliche Abfindung hängt von vielen Faktoren ab.

Was ist eine Abfindung?

Eine Abfindung ist eine einmalige Geldzahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer zum Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes. Sie ist keine gesetzliche Pflichtleistung, sondern meist das Ergebnis:

  • 1eines Vergleichs vor Gericht
  • 2einer Kündigungsschutzklage
  • 3oder einer freiwilligen Einigung

Ziel des Arbeitgebers ist es häufig, ein langes und teures Gerichtsverfahren zu vermeiden.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung?

❌ Grundsatz: Kein automatischer Anspruch auf Abfindung bei Kündigung

ABER: Es gibt mehrere wichtige Ausnahmen, in denen ein Anspruch entsteht oder realistisch durchsetzbar ist.

Abfindung nach § 1a KSchG

Ein direkter gesetzlicher Anspruch besteht, wenn alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Arbeitgeber kündigt betriebsbedingt
  • Im Kündigungsschreiben steht ausdrücklich ein Abfindungsangebot
  • Der Arbeitgeber bietet 0,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr an
  • Der Arbeitnehmer erhebt keine Kündigungsschutzklage innerhalb von 3 Wochen

Wichtig: Dieser Fall kommt in der Praxis eher selten vor, da Arbeitgeber diese Regelung bewusst vermeiden.

Abfindung durch Kündigungsschutzklage

Sehr viele Kündigungen sind rechtlich angreifbar. Arbeitgeber wissen das – und bieten daher häufig eine Abfindung an, um Zeit, Kosten und Imageschäden zu vermeiden.

Voraussetzungen für eine Kündigungsschutzklage

> 10

Mitarbeiter im Betrieb

> 6

Monate Betriebszugehörigkeit

Dann gilt das Kündigungsschutzgesetz.

Wann ist eine Kündigung angreifbar?

Eine Kündigung ist häufig unwirksam bei:

Formfehlern

  • • Kündigung nicht schriftlich
  • • Falsche Frist
  • • Keine Originalunterschrift

Fehlender oder fehlerhafter Begründung

  • • Keine echte betriebliche Notwendigkeit
  • • Vorgeschobene Gründe

Fehlerhafter Sozialauswahl

  • • Alter, Betriebszugehörigkeit, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung

Besonderem Kündigungsschutz

  • • Schwangerschaft, Schwerbehinderung, Elternzeit, Pflegezeit, Betriebsrat

✅ In all diesen Fällen bestehen sehr gute Chancen auf eine Abfindung!

Abfindung bei Vergleich vor Gericht

70%+

der Kündigungsschutzverfahren enden mit einem gerichtlichen Vergleich

Typischer Inhalt eines Vergleichs:

  • Beendigung des Arbeitsverhältnisses
  • Zahlung einer Abfindung
  • Wohlwollendes Arbeitszeugnis
  • Freistellung

Abfindung bei Aufhebungsvertrag

Auch bei einem Aufhebungsvertrag ist eine Abfindung üblich – allerdings:

⚠️ Vorsicht:

  • • Sperrzeit beim Arbeitslosengeld möglich
  • • Schlechte Verhandlungsposition ohne Prüfung

👉 Ein Aufhebungsvertrag sollte niemals ungeprüft unterschrieben werden.

Wie hoch ist eine Abfindung?

Die Faustformel

0,5 Bruttomonatsgehälter × Beschäftigungsjahre

Beispielrechnung:

3.000 €

Bruttogehalt

10 Jahre

Betriebszugehörigkeit

= 15.000 €

Abfindung

In der Praxis sind auch 1,0 oder mehr Monatsgehälter pro Jahr möglich – abhängig von Erfolgsaussichten, Verhandlungsstärke und Prozessrisiko des Arbeitgebers.

Welche Fristen sind extrem wichtig?

3-Wochen-Frist

Nach Zugang der Kündigung haben Sie nur 3 Wochen, um Kündigungsschutzklage einzureichen.

❗ Wird diese Frist versäumt, gilt die Kündigung automatisch als wirksam – selbst wenn sie rechtswidrig war.

Fazit: Wann habe ich Anspruch auf eine Abfindung?

✔️Kein Automatismus – aber sehr häufig realistische Chancen
✔️Insbesondere bei Kündigungsschutzklage, fehlerhafter Kündigung oder besonderem Kündigungsschutz

👉 Wer schnell handelt und seine Rechte kennt, kann oft eine hohe Abfindung durchsetzen.

💡 Tipp für Betroffene

Lassen Sie Ihre Kündigung frühzeitig prüfen. Eine erste Einschätzung zeigt meist schon, ob und in welcher Höhe eine Abfindung realistisch ist.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche Beratung.

Buchen Sie Ihre kostenlose Erstberatung!

Sie haben ein Rechtsproblem und benötigen eine Einordnung? Bei uns erhalten Sie innerhalb von 24 Stunden einen unverbindlichen Beratungstermin.

Kostenlose Erstberatung
AmtsBerater Mitarbeiter
Google 5-Sterne BewertungGoogle Logo
Trustpilot BewertungTrustpilot Logo