Arbeitsrecht

Arbeitsrecht – Welche Rechte haben Arbeitnehmer?

06. Januar 202614 Min. Lesezeit
Arbeitsrecht - Welche Rechte haben Arbeitnehmer

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Arbeitsrecht regelt die Beziehung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern
  • Es schützt Arbeitnehmer durch Mindeststandards bei Lohn, Urlaub und Arbeitszeit
  • Wichtige Gesetze: BGB, KSchG, ArbZG, BUrlG, MiLoG
  • Rechte müssen aktiv eingefordert werden – Fristen beachten!

Das Arbeitsrecht betrifft nahezu jeden Menschen im Laufe seines Berufslebens. Ob beim Abschluss eines Arbeitsvertrags, bei Überstunden, Urlaub, Krankheit oder Kündigung – das Arbeitsrecht regelt die Spielregeln zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Was ist Arbeitsrecht?

Das Arbeitsrecht regelt die rechtlichen Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Ziel ist es, einen fairen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Interessen der Arbeitgeber und dem Schutz der Arbeitnehmer zu schaffen.

Da Arbeitnehmer dem Arbeitgeber strukturell unterlegen sind, verfolgt das Arbeitsrecht in weiten Teilen einen Schutzgedanken. Es soll verhindern, dass Arbeitnehmer durch Verträge oder Weisungen unangemessen benachteiligt werden.

Welche Bereiche umfasst das Arbeitsrecht?

Das Arbeitsrecht gliedert sich in zwei große Hauptbereiche:

1Individualarbeitsrecht

Regelt die Rechtsbeziehung zwischen dem einzelnen Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber:

  • Arbeitsvertrag
  • Vergütung und Mindestlohn
  • Arbeitszeit und Überstunden
  • Urlaub
  • Krankheit und Entgeltfortzahlung
  • Kündigung und Kündigungsschutz
  • Arbeitszeugnis

2Kollektivarbeitsrecht

Betrifft die Interessenvertretung mehrerer Arbeitnehmer:

  • Tarifverträge
  • Betriebsverfassungsrecht
  • Rechte und Pflichten von Betriebsräten
  • Mitbestimmung im Unternehmen

Auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände spielen hier eine zentrale Rolle.

Welche Gesetze bilden die Grundlage des Arbeitsrechts?

Ein einheitliches „Arbeitsgesetzbuch" existiert nicht. Stattdessen setzt sich das Arbeitsrecht aus zahlreichen Einzelgesetzen zusammen:

BGBBürgerliches Gesetzbuch
KSchGKündigungsschutzgesetz
ArbZGArbeitszeitgesetz
BUrlGBundesurlaubsgesetz
MiLoGMindestlohngesetz
EFZGEntgeltfortzahlungsgesetz
NachwGNachweisgesetz

Diese Gesetze setzen Mindeststandards, von denen in Arbeitsverträgen nicht zu Ungunsten der Arbeitnehmer abgewichen werden darf.

Der Arbeitsvertrag im Arbeitsrecht

Der Arbeitsvertrag regelt die konkreten Bedingungen des Arbeitsverhältnisses:

Tätigkeit

Vergütung

Arbeitszeit

Urlaub

Kündigungsfristen

Grundsätzlich gilt Vertragsfreiheit. Das bedeutet, Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Vertrag frei gestalten – aber nur innerhalb der gesetzlichen Grenzen.

Problematisch sind in der Praxis häufig:

  • • Unklare Klauseln
  • • Pauschale Überstundenregelungen
  • • Unwirksame Befristungen
  • • Ausschlussfristen

➡️ Eine fachkundige Prüfung kann vor langfristigen Nachteilen schützen.

Arbeitszeit, Überstunden und Pausen

Das Arbeitszeitgesetz schützt Arbeitnehmer vor Überlastung. Wichtige Grundsätze:

8 Std.

Maximale Arbeitszeit pro Tag

10 Std.

Nur mit Ausgleich möglich

11 Std.

Tägliche Ruhezeit mindestens

§ 4

Gesetzliche Ruhepausen (ArbZG)

Überstunden dürfen nicht unbegrenzt angeordnet werden und sind häufig vergütungspflichtig oder durch Freizeit auszugleichen.

Mindestlohn und Vergütung

Der gesetzliche Mindestlohn legt fest, wie viel Arbeitnehmer mindestens verdienen müssen. Arbeitgeber dürfen diesen nicht unterschreiten – auch nicht durch vertragliche Vereinbarungen.

Verstöße gegen das Mindestlohngesetz können dazu führen, dass Arbeitnehmer:

  • Rückwirkend Lohn nachfordern
  • Schadensersatz geltend machen

Kündigung und Kündigungsschutz im Arbeitsrecht

Kaum ein Bereich ist konfliktträchtiger als die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Das Arbeitsrecht regelt unter anderem:

Ordentliche Kündigung
Fristlose Kündigung
Kündigungsfristen
Besonderer Kündigungsschutz

In Betrieben mit mehr als 10 Mitarbeitern greift in der Regel das Kündigungsschutzgesetz. Kündigungen müssen dann sozial gerechtfertigt sein.

➡️ Fehler bei Kündigungen sind häufig und eröffnen Chancen auf Weiterbeschäftigung oder Abfindung.

Urlaubsanspruch nach dem Arbeitsrecht

Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch:

24

Werktage bei 6-Tage-Woche

20

Werktage bei 5-Tage-Woche

Der Urlaub dient der Erholung und darf nicht durch Geld abgegolten werden – außer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Auch Fragen zum Verfall von Urlaub und Resturlaub sind arbeitsrechtlich klar geregelt.

Vorteile des Arbeitsrechts für Arbeitnehmer

Das Arbeitsrecht bietet Arbeitnehmern zahlreiche Vorteile:

✔️Schutz vor willkürlichen Kündigungen
✔️Mindeststandards bei Lohn, Arbeitszeit und Urlaub
✔️Rechtssicherheit bei Streitigkeiten
✔️Schutz vor Überforderung und Ausbeutung
✔️Durchsetzbarkeit von Ansprüchen vor dem Arbeitsgericht

Ohne Arbeitsrecht wären Arbeitnehmer stark von der Verhandlungsmacht des Arbeitgebers abhängig.

Nachteile und Grenzen des Arbeitsrechts

Trotz des Schutzgedankens hat das Arbeitsrecht auch Grenzen:

Verfahren können zeit- und nervenaufwendig sein
Rechte müssen aktiv eingefordert werden
Fristen können Ansprüche schnell zunichtemachen
Nicht jeder Betrieb unterliegt dem Kündigungsschutz

Wer seine Rechte nicht kennt oder Fristen versäumt, verliert oft wertvolle Ansprüche.

Wann ist arbeitsrechtliche Beratung sinnvoll?

Eine Prüfung ist besonders ratsam bei:

📄Kündigung oder Aufhebungsvertrag
📝Neuem Arbeitsvertrag
⚠️Abmahnung
💰Streit über Lohn, Überstunden oder Urlaub
📋Schlechtem Arbeitszeugnis

➡️ Frühes Handeln erhöht die Erfolgschancen erheblich.

Fazit: Arbeitsrecht schafft Sicherheit im Berufsleben

Das Arbeitsrecht ist ein zentrales Instrument zum Schutz von Arbeitnehmern. Es regelt nahezu alle wichtigen Aspekte des Arbeitslebens und sorgt für faire Mindeststandards.

👉 Wer seine Rechte kennt und rechtzeitig handelt, kann Nachteile vermeiden und bestehende Ansprüche effektiv durchsetzen.

💡 Tipp für Arbeitnehmer

Lassen Sie Ihren Arbeitsvertrag, Ihre Kündigung oder Ihr Arbeitszeugnis frühzeitig prüfen. Viele Probleme lassen sich mit rechtzeitiger Beratung vermeiden oder lösen.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche Beratung.

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