Hohe Schulden belasten nicht nur finanziell, sondern auch psychisch. Wenn Raten nicht mehr bedient werden können, Mahnungen sich stapeln und kein realistischer Ausweg mehr sichtbar ist, kann die Privatinsolvenz ein geregelter und legaler Weg in einen finanziellen Neustart sein.
1. Was ist eine Privatinsolvenz?
Die Privatinsolvenz – auch Verbraucherinsolvenz genannt – ist ein vereinfachtes Insolvenzverfahren für überschuldete Privatpersonen. Sie ist in der Insolvenzordnung (InsO) geregelt und wird beim zuständigen Insolvenzgericht durchgeführt.
Ziel: Gläubiger gleichmäßig befriedigen und dem Schuldner nach einer festgelegten Zeit einen wirtschaftlichen Neuanfang ohne Altschulden ermöglichen.
Typische Ursachen für eine Privatinsolvenz
Viele Betroffene verlieren schleichend den Überblick, bis Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können.
2. Wer kann Privatinsolvenz beantragen?
Privatinsolvenz kommt grundsätzlich in Betracht für:
✔️Privatpersonen
Ohne laufende selbstständige Tätigkeit
✔️Ehemals Selbstständige, wenn:
- • Keine selbstständigen Einkünfte mehr bestehen
- • Weniger als 20 Gläubiger vorhanden sind
- • Keine offenen Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen
❌ Nicht geeignet ist die Verbraucherinsolvenz für aktuell selbstständige Unternehmer mit betrieblichen Schulden.
3. Voraussetzung: Außergerichtlicher Einigungsversuch
Bevor ein Insolvenzantrag gestellt werden darf, muss ein außergerichtlicher Schuldenbereinigungsversuch unternommen werden.
Dabei wird versucht, mit allen Gläubigern eine einvernehmliche Lösung zu finden:
Scheitert dieser Versuch, wird darüber eine Bescheinigung ausgestellt. Erst mit dieser ist der Insolvenzantrag zulässig.
➡️ Die Privatinsolvenz ist also immer der letzte Schritt, nicht der erste.
4. Ablauf der Privatinsolvenz
Das Verfahren gliedert sich in mehrere Phasen:
Alle Schritte sind gesetzlich geregelt und bauen aufeinander auf.
5. Dauer der Privatinsolvenz
Reguläre Dauer bis zur Restschuldbefreiung
Am Ende dieser Zeit kann die Restschuldbefreiung erteilt werden, sofern alle Pflichten eingehalten wurden. Entscheidend ist dabei nicht die Höhe der Schulden, sondern das korrekte Verhalten während des Verfahrens.
6. Kosten der Privatinsolvenz
Auch eine Privatinsolvenz verursacht Kosten, insbesondere:
Gerichtskosten
Vergütung des Treuhänders
💡 Stundung der Verfahrenskosten
Wer diese Kosten nicht aufbringen kann, kann eine Stundung der Verfahrenskosten beantragen:
- • Die Insolvenz kann trotzdem durchgeführt werden
- • Die Kosten werden erst nach Abschluss des Verfahrens fällig
➡️ So ist die Privatinsolvenz auch für mittellose Personen zugänglich.
7. Pflichten während der Insolvenz und Wohlverhaltensphase
Während des gesamten Verfahrens gelten klare Pflichten:
1Erwerbsobliegenheit
- Aufnahme oder Ausübung einer zumutbaren Arbeit
- Aktive Bemühungen bei Arbeitslosigkeit
- Nachweis von Bewerbungen
2Auskunfts- und Mitteilungspflichten
3Abtretung pfändbarer Einkommensteile
Der pfändbare Teil des Einkommens wird an den Treuhänder abgeführt. Die Pfändungsfreigrenzen stellen sicher, dass der Lebensunterhalt gesichert bleibt.
8. Was darf behalten werden?
Nicht alles fällt automatisch in die Insolvenzmasse. Beispielsweise:
Gegenstände des täglichen Lebens
Beruflich notwendige Arbeitsmittel
Angemessenes Fahrzeug für die Arbeit
📌 Beispiel:
Ein Schuldner benötigt ein Auto, um täglich zur Arbeit zu gelangen. Ein einfaches, angemessenes Fahrzeug bleibt in der Regel erhalten, während ein Luxusfahrzeug verwertet werden kann.
9. Erbschaften, Sonderzahlungen und Vermögen
💰 Erbschaften
Die Hälfte muss abgeführt werden
🎄 Weihnachtsgeld
Ein Teil ist geschützt, darüber hinaus pfändbar
🏡 Immobilien
Eigentum zählt grundsätzlich als Vermögen und kann verwertet werden
Jeder Einzelfall wird individuell bewertet.
10. Privatinsolvenz und SCHUFA
Die Privatinsolvenz führt zu einem SCHUFA-Eintrag. Dieser besteht:
Während des laufenden Insolvenzverfahrens
Weitere Jahre nach der Restschuldbefreiung
Das kann Auswirkungen haben auf:
➡️ Langfristig ist die Restschuldbefreiung jedoch oft die Voraussetzung für eine spätere wirtschaftliche Stabilität.
11. Die Wohlverhaltensphase – entscheidend für den Erfolg
In der Wohlverhaltensphase entscheidet sich, ob die Restschuldbefreiung erteilt wird.
Wichtig ist:
- Keine neuen Schulden machen
- Alle Pflichten einhalten
- Vollständige und ehrliche Angaben machen
⚠️ Konsequenzen bei Verstößen
- • Versagung der Restschuldbefreiung
- • Verlängerung oder Scheitern des Verfahrens
12. Restschuldbefreiung – der Neustart
Am Ende des Verfahrens entscheidet das Gericht über die Restschuldbefreiung.
Wird sie erteilt:
Fazit: Privatinsolvenz als Chance
Die Privatinsolvenz ist kein einfacher Weg, aber für viele Menschen der einzige realistische Ausweg aus der Schuldenfalle.
👉 Wer die Regeln kennt und einhält, kann nach einigen Jahren schuldenfrei neu starten.
💡 Tipp für Betroffene
Eine frühzeitige, strukturierte Information und Begleitung hilft, Fehler zu vermeiden und den Prozess sicher zu durchlaufen.
Hinweis: Dieser Ratgeber stellt eine allgemeine Information dar und ersetzt keine individuelle Beratung im Einzelfall.


